Literatur
Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki „Geschichte polnischer Familien“
03.05.2012, 19:00 Alte Schmiede, Wien

Die verschwindenden Ortschaften in der ehemaligen Woiwodschaft Przemyśl, im Grenzgebiet zwischen Polen und der Ukraine: In den Gedichten von Tkaczyszyn-Dycki gibt es sie noch. Da sind die Erinnerungen an heimliche Orte, verbotene Zusammenkünfte, an die ständigen Bedrohungen, Wahnsinn und Alkohol, die psychiatrische Klinik und das immerwährende Sterben.
Tkaczyszyn-Dyckis Gedichte nehmen ihren Ausgang an bestimmten Einzelheiten oder Personen. Immer wieder beschwört der Autor dieselben Ereignisse her­auf, wiederholt sie manisch, versucht sie zu ordnen, schattiert und variiert die schmerzbehafteten Bilder und Sätze. Für die Drastik seiner Themen findet er eigenwillige Symbole, die aus der Scheu vor der tabuverletzenden Benennung hervorgehen. Als könne und solle die Sprache nicht zum Grauen vordringen, steht sie aber unter dem Zwang, es immer wieder zu versuchen.

Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, geboren 1962 an der polnisch-ukrainischen Grenze in Wólka Krowicka, lebt in Warschau. Er gilt als literarischer Einzelgänger, der durch legendäre Lesungen zum Kultautor avancierte. Für seine neun Gedichtbände und einen Prosaband erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter 2009 den Nike-Literaturpreis, die bedeutendste literarische Auszeichnung Polens.

„Geschichte polnischer Familien“ von Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, aus dem Poln. von Doreen Daume, Edition Korrespondenzen 2012 

Lesung und Gespräch mit dem Autor: Doreen Daume

Adresse: Alte Schmiede, Schönlaterngasse 9, 1010 Wien
Eintritt/Tickets: Eintritt frei.