Kunst
Henryk Tomaszewski - Plakatausstellung zum 100. Geburtstag des Künstlers
27.11.2014, 19:00 - 23.01.2015 Polnisches Institut, Am Gestade 7, 1010 Wien

100 Jahre, ein wundervolles Alter, das Henryk Tomaszewski leider nicht erreichte – er starb vor 9 Jahren in Warschau. Nichtsdestoweniger ist der 100. Geburtstag eine hervorragende Gelegenheit, um sein Lebenswerk zu bestaunen. In Wien wird es nicht die erste Gelegenheit sein: Schon 1948 fand im Künstlerhaus in Wien die erste bedeutende Plakatausstellung im Nachkriegseuropa statt – die aufwändig vorbereitete Internationale Plakatausstellung, auf der die interessantesten Arbeiten dieses Genres gekürt wurden. Gezeigt wurden mehr als zweitausend Plakate aus 18 Ländern. Fünf Hauptpreise gingen an einen Polen – an Henryk Tomaszewski.

Dieses Ereignis läutete ein Phänomen ein, das später vom internationalen Publikum als „Polnische Schule der Plakatkunst” zusammengefasst werden sollte. Sowohl Tomaszewski als auch seine Schüler wurden über fast ein halbes Jahrhundert lang als maßgebende Vertreter dieses Bereichs angesehen. Nun präsentiert das Polnische Institut 30 Plakate Tomaszewskis. Darunter jene, die 1948 ausgezeichnet wurden, sowie spätere Arbeiten, die aufzeigen, wie über die Jahrzehnte hinweg der Stil dieses herausragenden Künstlers und akademischen Lehrers sich von ausschweifender Malerei hin zum sparsamen, zeichnerischen Gedankensprung entwickelte.

Piotr Dąbrowski, Kurator der Ausstellung, Sammler und Besitzer der Galeria Plakatu (Galerie des Plakats) in Warszawa (Warschau) – aus der die präsentierten Originale stammen, über Tomaszewski:

„Nach seinem Debüt vor dem Zweiten Weltkrieg erstellte der Künstler Plakate und andere Formen der angewandten Grafik bis zur Hälfte der 1990er Jahre. Sein Stil wandelte sich. Seit den 1960er Jahren begann er, sich der Einfachheit zuzuneigen, an Bedeutung gewann das Zeichen als Symbol und Topografie. Folglich wurde (und wird) der Rezipient häufig vor anspruchsvolle intellektuelle Rätsel gestellt. In den Jahren 1952–1985 leitete der Künstler, der zugleich ein hervorragender Lehrer war, den Fachbereich Plakat an der Akademie der Schönen Künste in Warszawa (Warschau). Als Hochschullehrer war er für seine unkonventionellen Methoden berühmt, mit denen er beabsichtigte, in den Studenten ein abstrakt-reflexives Denken über Grafikdesign zu wecken. Während er letztere mit außerordentlich hohem Anspruch konfrontierte, half er ihnen gleichzeitig ein Niveau des Denkens über Design zu erreichen, das es ermöglichte, einschränkende Schemata und Stereotype zu überwinden.

Interessanterweise spielte die Arbeitstechnik für ihn keine grundlegende Rolle; hier ließ er den Teilnehmern einen großen Freiraum. Sein Student zu sein war eine besondere Auszeichnung, was dazu führte, dass sein Fachbereich ab den 1960er Hörer aus der ganzen Welt anzog.“

Als Ergänzung zur Ausstellung werden Dokumentarfilme gezeigt, welche das Phänomen der Polnischen Schule der Plakatkunst näher beleuchten: „Behind the Poster” von Marcina Lattało und „Commissioned. The Art of the Polish Film Poster” von Simon Goodrick und Alicja Suszka-Fielder (mit englischen Untertiteln). Zudem werden besondere Gäste anwesend sein: Bronisław Zelek, der in Wien lebende Schüler Tomaszewskis, der gegenwärtig als Grafiker sowie Autor von Plakaten und Schriftarten tätig ist, außerdem auch Filip Pągowski, der Sohn des Künstlers.

Zu sehen bis 23. Jänner 2015.

Öffnungszeiten: Mo.fr. 10-16 Uhr

Adresse: Polnisches Institut, Am Gestade 7, 1010 Wien
Eintritt/Tickets: Eintritt frei. Anmeldung erforderlich 01/533 89 61