Film
„Ida“ von Paweł Pawlikowski – EU XXL Die Reihe: Wanderkino des 21. Jahrhunderts
20.11.2015 - 20.11.2015 Frastanz (V), Neustift (NÖ)

Der Film ist das populärste Medium, um Grenzen aufzulösen und Menschen durch unterschiedliche Geschichten und Bilder einander näher zu bringen. Nach diesem Motto bringt das Filmprojekt EU XXL FILM das sehenswerte europäische Kino direkt dorthin, wo sein Publikum zu Hause ist. In der Tradition des Wanderkinos können Filmfreunde in ländlichen Regionen einen Blick über die Grenzen wagen, ohne den Weg in das oft ferne nächste Kino auf sich zu nehmen.

Das Wanderkino des 21. Jahrhunderts ist von Oktober 2015 bis Juni 2016 on Tour. Der polnische, mit einem Oscar gekrönte Film „Ida“ von Paweł Pawlikowski wird in Frastanz (V) und in Neustift (NÖ) gezeigt. Die Geschichte in Schwarz-Weiß-Bildern erzählt über das Aufeinandertreffen von Vergangenheit und Gegenwart, von der Abrechnung der Nachgeborenen, von Glauben, Vergebung und Schuld.

Fr., 13. November um 19.30 Uhr
Domino s'Hus am Kirchplatz, Kirchplatz 4, 6820 Frastanz (Vorarlberg), Tel. 05522/51534-12, www.frastanz.at

Fr., 20. November um 19.30 Uhr
Dorfhaus Neustift, Wachaustraße 8, 3123 Neustift (Niederösterreich), Tel. 0681/20260513, www.dorfleben.org

 

 


Prof. Dr. Sebastian Fikus

Die Vorgeschichte, die den Film dominiert

Der Film „Ida“ von Paweł Pawlikowski ist eine der besten und faszinierendsten polnischen Produktionen der letzten Jahre. Er ist auch der erste polnische Film, der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Die für den Film sehr wichtige Vorgeschichte fällt in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Das damals von der deutschen Besatzungsmacht in Polen eingeführte NS-Rechtssystem erklärte Juden per Gesetz zu Verbrechern, sogar jüdische Säuglinge wurden darin als Kriminelle betrachtet. Die polnische Bevölkerung, die ebenfalls grausamen Repressionen ausgesetzt war, reagierte sehr unterschiedlich. Es gab Menschen, die wegschauten und auch solche, die versuchten, sich einfach an jüdischem Eigentum zu bereichern. Bei sehr vielen Polen stießen die deutschen Maßnahmen jedoch auf Ablehnung. Viele von ihnen entschlossen sich, den Juden aktiv zu helfen. Deswegen sind mit Abstand die meisten Menschen, die in Yad Vashem mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet wurden, Polinnen und Polen.

Es war sehr riskant, Juden zu helfen, weil die deutschen Besatzer  dies in Polen – als einzigem Land in Europa – mit dem Tod bestraften. Trotzdem haben tausende Polen aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft ihre jüdischen Nachbarn versteckt. Viele von ihnen bezahlten es mit ihrem Leben. Mit der Zeit wurde diese Hilfe für viele zu einer großen Last. Es fehlte an Geld, Geduld und schließlich lebte man mit der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Die guten Absichten wuchsen manchem über den Kopf. Aber es gab kein Zurück. Wenn man die Juden gehen lassen würde, würden sie mit großer Wahrscheinlichkeit sofort von der deutschen Polizei aufgegriffen. Und dies würde auch das Todesurteil für die polnische Familie bedeuteten, die den Juden bis dahin geholfen hatte.

In dem Film „Ida“ spielt der Bauer Feliks Skiba, der während der NS-Besatzung in eine solche Situation geraten war, eine Schlüsselrolle. Aus Verzweiflung entschließt er sich, die versteckten jüdischen Freunde zu ermorden. Er lässt nur das kleine jüdische Mädchen Ida am Leben, die er in ein Kloster gibt.

Die Handlung des Films beginnt 20 Jahre später. Von dem Drama des polnischen Bauern erfahren wir in dem Film nur wenig. Das kleine Mädchen Ida ist inzwischen eine junge Frau und möchte eine katholische Nonne werden. Vor ihrem Gelübde entschließt sie sich, mit der Schwester ihrer ermordeten Mutter, die Grabstätte der Eltern zu suchen. Beide Frauen finden den Bauern, der ihre Familie ermordet hat. Da die Geschichte nicht vollständig erklärt ist, kann bei den Zuschauern der Verdacht entstehen, dass er die jüdische Familie nur aus Habgier ermordet habe. Dabei wäre die Gestalt des Bauern doch viel interessanter, wenn man sein Dilemma zeigen würde. Es wäre nur von Vorteil, wenn man die Verzweiflung des Bauern und die Verkettung des Unglücks, die sich über Jahrzehnte zieht, zeigen würde.

„Ida“ ist ein tiefsinniger, ein schöner Film.  Er erzählt von der Fähigkeit, zu sich zu finden, wenn man von einem schweren Unglück getroffen wird, über die Fähigkeit, die eigene Standhaftigkeit in Momenten existenzieller Umbrüche zu bewahren. Eine wichtige Rolle spielen hier Fragen nach der Veränderung der eigenen Identität, die Sehnsucht nach Transzendenz und Seelenheil.

Eintritt/Tickets: www.eu-xxl.at