Geschichte
Familie-Ulma-Museum in Markowa - Präsentation des Museums & Filmvorführung
13.04.2016, 18:30 Polnisches Institut Wien

Am 17. März wurde das Familie-Ulma-Museum in Markowa feierlich eröffnet. Es würdigt die Polen, die Juden während des Zweiten Weltkriegs unter der deutschen Besatzung zu retten versuchten bzw. gerettet haben. Das Museum wurde im Dorf Markowa (Karpatenvorland) errichtet, wo am 24. März 1944 deutsche Feldjäger acht Juden aus den Familien Szall und Goldman sowie Józef Ulma mit seiner im letzten Monat schwangeren Frau Wiktoria, welche diese Menschen versteckten, exekutiert haben. Auch wurden sechs weitere Kinder der Familie Ulma, darunter die älteste, achtjährige Tochter Stasia, hingerichtet.

Im Museum werden u.a. die durch Józef Ulma gemachten Fotos präsentiert, die Markowa und seine Einwohner aus der Vorkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs zeigen. Darüber hinaus werden auch die Schicksale jener Familien gezeigt, die während der deutschen Besatzung Juden Hilfe geleistet haben. Zusätzlich schildern die ausgestellten Exponate die polnisch-jüdischen Beziehungen in der Vorkriegszeit, während der deutschen Besatzung sowie in der Nachkriegsperiode.

Im etwa 4500 Bewohner zählenden Dorf Markowa war die Familie Ulma nicht die einzige, die Juden versteckt hielt. Zumindest 20 Juden aus diesem Ort überlebten die deutsche Besatzung in fünf Bauernhäusern. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Markowa ca. 120 Juden.

Das Israelische Gedenkinstitut Yad Vashem hat 1995 die Familie Ulma posthum mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt, der an Menschen vergeben wird, die ihr Leben riskierten, um Juden vor dem Holocaust zu retten. Im Jahr 2004, zum 60. Jahrestag des Geschehens, wurde in Markowa ein Denkmal enthüllt, das an jene heldenhaften Menschen und ihre Schützlinge erinnert. Laut Historikern versteckten in der Zeit der deutschen Besatzung Polens mindestens 1600 Polen aus dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft Karpatenvorland ca. 2900 Juden. Die Deutschen haben in diesem Gebiet ca. 200 Polen, die Juden versteckten, ermordet. In dem durch das Dritte Reich besetzten Polen drohte dafür – anders als in Westeuropa – die Todesstrafe. Dennoch riskierten viele Polen ihr Leben und jenes der eigenen Familie, wenn Sie Juden versteckten. Viele von ihnen wurden nach dem Krieg in Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Gegenwärtig sind dort mehr als 6500 Polinnen und Polen dokumentiert.

Das Museum wird  in Form einer multimedialen Präsentation von Dr. Mateusz Szpytma, dem Bevollmächtigten für das Museum der Familie Ulma in Markowa, vorgestellt. Darüber hinaus ist die Vorführung des Films von Dariusz Walusiak „Familie Ulma. Ein Zeugnis der Gerechten“ („Ulmowie. Świadectwo sprawiedliwych“) geplant.

Adresse: Polnisches Institut, Am Gestade 7, 1010 Wien
Eintritt/Tickets: Eintritt frei. Anmeldung erforderlich: 01/533 89 61