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„Janusz Korczak – Kindern eine Stimme geben“. Anlässlich des 75. Todestages von Janusz Korczak
21.02.2017 Polnisches Institut Wien

Am Dienstag, den 21. Februar 2017 veranstaltete das Polnische Institut Wien in Kooperation mit der Österreichischen Janusz-Korczak-Gesellschaft ein Treffen, das dem Lebenswerk des großen jüdisch-polnischen Arztes, Pädagogen, und Schriftstellers Janusz Korczak gewidmet war, der sein ganzes Leben den Kindern hingab.

Anlässlich des 75. Todestages von Janusz Korczak sowie zum 25. Jubiläum des Bestehens der Österreichischen Janusz-Korczak-Gesellschaft wurde im Polnischen Institut die zweisprachig in Deutsch und Polnisch gestaltete Wanderausstellung „Janusz Korczak – Kindern eine Stimme geben“ eröffnet. Die Ausstellung erzählt über das Leben und das Wirken des „Alten Doktors“, der im KZ Treblinka zusammen mit den Kindern aus dem von ihm geführten Waisenhaus ums Leben kam.

„Wer war eigentlich Janusz Korczak? Die Antwort auf diese Frage ist, angesichts seiner sozialen und pädagogischen Tätigkeit, weder einfach noch eindeutig. Korczak gilt als großer Theoretiker und Praktiker der Erziehungswissenschaft, als Kinderforscher, der die Rolle eines Wegbereiters spielte, was seinen Einsatz für Kinderrechte betrifft. Korczak war aber auch als Major der polnischen Reserve sowie als Feldarzt der polnischen Armee (während der II. Republik Polens) tätig“ – sagte in seiner Ansprache der Direktor des Polnischen Instituts Wien, Mag. Rafał Sobczak.

Das zugrundeliegende Projekt der im Polnischen Institut eröffneten Ausstellung entstand durch eine Kooperation der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, des Pädagogischen Instituts der Jagiellonen-Universität Krakau und der Schulmuseums-Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig. Seit ihrer Eröffnung 2007 wurde die Wanderausstellung bereits in 32 Städten gezeigt, darunter in Görlitz, Leipzig, Genf, Graz, Warschau und Krakau, und hat dabei schon eine Entfernung von mehr als 18.600 Kilometern zurückgelegt.

„Die in Grün gehaltene Ausstellung ist nach Kapiteln geordnet, die entsprechenden Grüntöne symbolisieren verschiedene Aspekte in Korczaks Leben: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Auf die Verbindung mit der Zukunft haben auch wir versucht, Bezug zu nehmen. Grün war laut Korczak die Farbe der Kinder und steht für Wachstum, Wald, Wiese, für etwas Positives – so die Präsentation der Ausstellung von Kuratorin Mag. Cornelia Müller, Mitarbeiterin und Dozentin im Master-Studiengang „Management sozialen Wandels“ an der Hochschule Zittau/Görlitz. Frau Mag. Müller hofft, dass die mittlerweile schon 10 Jahre alte Ausstellung weiterwandern und „ihre Pubertät erleben“ wird.

Das Treffen im Polnischen Institut war auch eine gute Gelegenheit, um das 25. Jubiläum des Bestehens der Österreichischen Janusz-Korczak-Gesellschaft feierlich zu begehen. „Menschen sind gut, Kinder sowieso. Stimmt dieser Satz? Sind wir wirklich gut? Was heißt das genau? Wenn wir wollen, dass Menschen gut sind, müssen wir es auch voraussetzten. Wenn wir unsere Ziele nicht voraussetzten, werden wir sie auch nie erreichen. Und das genau ist die Aufgabe, die wir alle haben, die Kindgerechte unter diesem Gesichtspunkt zu sehen: Kinder, Menschen sind gut.“ – auf diese Weise nahm Prof. Dr. Karl Garnitschnig, Vorsitzender der Österreichischen Janusz-Korczak-Gesellschaft Bezug auf die großartige Idee, die Janusz Korczak vertrat.

Einen besonderen Programmpunkt an diesem Abend bildete die Verleihung des Janusz-Korczak-Preises 2017 an fünf PreisträgerInnen, die sich diesen mit ihren besonderen persönlichen Erfolgen verdient hatten. Es waren fünf fremduntergebrachte Kinder, die trotz ihrer nicht selten schwierigen Erfahrungen und komplizierten Lebensgeschichten so viel erreicht hatten und viel zum friedlichen Zusammenleben der Gemeinschaft, in der sie leben, beigetragen hatten. Der Preis wurde von der österreichischen Künstlerin Elisabeth Köpl entworfen, die im Laufe des Abends über die Entstehung und den Entwurf des Preises erzählte. Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung wurde von dem Ensemble Bulgareaska gestaltet (Susanne Wallner –Akkordeon, Claudia Wratschko – Klarinette, Manuela Becker – Gesang). Insbesondere das Lied aus dem Ghetto „Papirosn“ machte auf das zahlreich erschienene Publikum einen großen Eindruck.

An dem der Person Janusz Korczaks gewidmeten Treffen im Polnischen Institut nahmen rund 100 Personen teil, ein beträchtlicher Teil des Publikums bestand aus Kindern.

„Meine lieben Kinder, ihr steht im Mittelpunkt unserer heutigen Veranstaltung“ – betonte Direktor Sobczak noch einmal in seiner Ansprache. Die Ehrung der Jüngsten, deren Leben bisher nicht einfach gewesen war, ist eine erhabene Idee, die mit dem Leitgedanken von Janusz Korczak einhergeht, denn gerade er schrieb so viel darüber, was es bedeutet ein Kind zu lieben: „Kinder sind doch nötig auf der Welt und gerade so, wie sie sind.“